Interview mit Präsident Binggeli

Sep
24
2019
Interview mit Präsident Binggeli
30.09.2019 21:35 - geschrieben von NE Xamax FCS
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3 Monate nach dem Start des neuen Projekts stellt sich Präsident Christian Binggeli Ihren Fragen

Christian Binggeli, wie haben Sie diesen Saisonstart erlebt?

Wir warten alle auf unseren ersten Saisonsieg in der Meisterschaft. Ich bin überzeugt, dass dieser Sieg bald kommen und bei dem Team den Auslöser betätigen wird, den wir so dringend brauchen um endlich bessere Resultate zu erzielen. Alle Spiele sind schwierig, aber das wussten wir ja. Ich bin zufrieden zu sehen, dass wir mit allen Mannschaften mithalten können – allerdings sind unsere Leistungen noch zu wenig konstant. Der Staff gibt alles um dies zu korrigieren. Wir haben gegen die 3 ersten der Meisterschaft verloren, das ist zwar kein Drama, dennoch darf man das nicht einfach so hinnehmen. Ein Exploit liegt immer in der Luft, und wenn man auf den Platz kommt, ist es immer um zu gewinnen. Gegen YB waren wir am Ende nahe an einem Unentschieden dran, es wäre zwar etwas frech gewesen, aber ich hätte diesen Punkt gerne eingesackt. Die jeweils erste Halbzeit in den Spielen gegen den FCB und gegen Sion war sehenswert, es wäre halt schon schön, wenn ich das auch für die 2. Halbzeit sagen könnte. Wir haben gegen alle anderen unentschieden gespielt, meistens auswärts. Was mich natürlich wurmt sind die nicht gewonnenen Spiele in Genf und Thun – wobei wir auch 1 völlig überraschenden Punkt aus dem Letzi entführt haben dank dem unglaublichen Fallrückzieher von Gaëtan Karlen.

 

Sie haben vor kurzem gesagt, «Xamax sei dort wo es hingehört» - wie ist das zu verstehen? Wandert Xamax Richtung Abstieg?

Überhaupt nicht! Diese Frage wurde mir vor dem Spiel gegen den FC Sion gestellt. Ich habe darauf geantwortet und meinte mit meiner Aussage, dass die Meisterschaft in 2 Teile aufgeteilt ist, und zwar in die Leader-Etage mit Basel, YB und dem doch eher überraschenden Sion. Wir sind in der 2. Gruppe mit allen anderen. Wir sind wirklich auf unserem Posten in dieser Gruppe – aber wir müssen mehr Spiele gewinnen und so 2 Teams hinter uns lassen so dass wir der Barrage von oben herab winken können. Denn dort wollen wir hin: weiter rauf.

 

Was sagen Sie zum Risiko des Abstiegs?

Wenn Sie das Klassement ansehen werden Sie feststellen, dass dieses Risiko in der Super League bei den meisten Teams besteht. Momentan trennen einige Mannschaften nur 1 Punkt und ein paar wenige Tore. Zurück in die Challenge League ist keine Option denn dies hätte schwere Konsequenzen für den Club. Ich werde auf jeden Fall alles dransetzen, dass dieses Szenario nicht eintritt. In der Challenge League würde unser Budget halbiert, wir hätten weniger Publikum, de facto weniger Unterstützung um uns direkt wieder raufzupushen. Niemand, weder Staff, Clubleitung noch das Team, will das. Wir haben nicht 8 Jahre wie verrückt gearbeitet um alles jetzt bereits wieder hinzuschmeissen.

 

Hätte man diese Saison nicht etwas mehr finanzielles Risiko eingehen müssen?

Wir geben nur das Geld aus, das wir effektiv haben. Es ist absolut ausser Frage, den Club wieder in die roten Zahlen zu manövrieren und somit einen erneuten Konkurs zu riskieren. Wenn ich etwas wirklich und komplett ausschliesse, dann ist das einen Konkurs. Man vergesse auch nie, dass Geld weder Siege noch Erfolg erkaufen kann – denken Sie an FCZ, Lausanne und GC – die hatten nicht die kleinsten Budgets und kickten oder kicken noch immer in der unteren Liga. Man muss das Geld schlau ausgeben und noch dazu etwas Glück haben. Fussball ist ein Sport wo es immer Gewinner und Verlierer geben wird.

 

Man hat dennoch das Gefühl, dass weniger Geld für die Mannschaft in die Finger genommen wurde als letzte Saison…

Das Gefühl täuscht nicht. Wir haben mehr Fixkosten, unter anderem auch wegen der U21 Gruppe. Es ist eine Investition für die Zukunft, das ist positiv und wir stehen voll dahinter. Wichtig ist es uns, die Ausbildung der jungen Fussballer bis zum Schluss garantieren zu können, mittel- und langfristig gesehen wird uns das ganz bestimmt stärken. Letztes Jahr haben wir auch noch von der CL-Quali von YB profitieren können, haben wir doch einen Solidaritätsbatzen von Sfr. 600.000.—bekommen. Das fällt dieses Jahr weg – grob gerechnet heisst das, dass wir etwa 1 Million weniger für die 1. Mannschaft zur Verfügung haben.

 

Das heisst also, dass Sie Geld auftreiben müssen!

Das ist einfacher gesagt als getan. Seit über 7 Jahren sind wir bemüht, diesem Club die Möglichkeit zu geben, auf höchstem Niveau mitzuspielen. Wir haben Sponsoren und treue Partner gefunden, zum Teil begleiten sie uns seit Beginn auf diesem steinigen Weg. Die Sponsorensuche haben wir bis vor kurzem noch alleine gemacht, heute wurde diese Aufgabe der Firma Grand Chelem Event SA anvertraut. Das Team dieses Event Büros ist stets bemüht, auch für kleinere Teams wertvolle und zahlkräftige Partner aufzutreiben – aber wir können nun mal nicht die gleichen Preise verlangen wie FCB oder YB. Wir müssen uns also etwas einfallen lassen – wir müssen zusehen, dass der Club sich quasi selber finanziert. Und das geht am besten indem wir gute Spieler ausbilden, ihnen die nötige Spielpraxis geben die es braucht, um sie danach gewinnorientiert an einen anderen Club weiterzuverkaufen. Dafür braucht es aber viel Geduld und man muss verstehen, dass das nun halt mal nicht ruckzuck geht.

 

Aber diese jungen Spieler die einen Leihvertrag haben, bringen ja kein Geld ein…

Unter Umständen schon, es kommt halt ganz auf den Leihvertrag mit dem Besitzerclub an. Details kann ich keine nennen, aber für einen Ausbildnerverein besteht durchaus die Möglichkeit einen Spieler gewinnbringend auszubilden indem man die Arbeit die man leistet um den jungen Spieler weiterzubringen, in Rechnung stellt.

 

Können diese jungen Spieler denn eine Mannschaft in der Super League halten?

Natürlich nicht alleine, aber sie können auf jeden Fall ganz viel dazu beitragen. Ein spezielles Ausbildungsteam steht ihnen zur Verfügung, sie werden optimal ins Team integriert und sie werden sorgfältig betreut. Das gab es bis anhin noch nie bei Xamax.

 

Viele Leute sind der Meinung, dass Sie nicht alle Abgänge wieder kompensiert haben…

Das kann man noch nicht sagen. Vor 1 Jahr kannte kein Mensch Kemal Ademi… lassen Sie uns Zeit, und Sie können die jungen Spieler am Ende der Saison beurteilen. Lassen Sie ihnen Zeit, sich zu entfalten und ihr Können zu demonstrieren. Was die sofortige Unterstützung betrifft, engagiere ich mich weniger als früher. Auch dafür ist ein Sportchef unter anderem zuständig. Marcis Oss hatte viele, interessante Angebote, wir mussten schon sehr überzeugend sein um seinen Besitzerclub zu überzeugen, ihn bei uns zu lassen. Aber er ist von weitem unsere teuerste Investition. Auch André Neitzke war begehrt, er gefiel uns schon beim FC Schaffhausen und danach auch beim FC Sion. Joël Magnin hat ihm einen Stammplatz freigeschaufelt, man muss also annehmen, dass er überzeugt von seinen Qualitäten ist. Dumm ist halt, dass sich die Neuzugänge (und in diesem Fall Rückkehrer) Freddy Mveng und Dylan Dugourd verletzt haben. Trotzdem: wir halten viel von den Beiden und sind überzeugt, sie werden gut zurückkommen.

 

Warum wurden keine weiteren Spieler unter Vertrag genommen?

Weil wir schlicht und einfach genug sind! Wir haben 25 Spieler, das reicht doch. Wir wollen doch nicht 30 Löhne bezahlen und mehr als ein Drittel des Teams hockt gefrustet jedes Wochenende auf der Tribüne. Zusätzlich würden sie ja noch den Platz der ganz jungen die hochdrücken, besetzen. .Das wäre ja dann nicht wirklich fördernd, zuerst wollen wir sie ausbilden und dann haben wir keine Verwendung für sie? Eine lange Payroll zu haben ist nie wirklich förderlich. Die älteren Spieler haben meist Familie – sprich, sie brauchen mehr Lohn, ist ja logisch. Nein, wirklich, einfach mehr Spieler zu haben um sie zu besitzen bringt nichts.

 

Was würde Sie dazu bewegen, das Projekt des Ausbildungszentrum aufzugeben?

Das Projekt läuft vorläufig auf 2 Jahre, danach wird Bilanz gezogen. Wir werden ganz sicher nicht alles über Bord werfen wenn das eine oder andere nicht klappt. Man muss bestimmt an einigen Ecken etwas retouchieren, aber wir müssen uns an die von uns selber ausgearbeiteten Vorgaben, halten. Es wäre ja schade, wenn wir das alles für nichts gemacht hätten und es käme einem finanziellen und sportlichen Fiasko gleich.

 

Muss Joël Magnin um seinen Job bangen wenn die Resultate nicht besser werden?

Jeder Trainer hat Druck – Druck von oben, von den Fans, vom Team. Sie wissen mittlerweile wie ich ticke und ich bin nicht ein Fan von Rausschmiss und Neubesetzung. In den 7 Jahren habe ich erst 1 Trainer entlassen, und jeder weiss wie sehr mich das schmerzte. Wir haben Herrn Magnin für 2 Jahre eine Aufgabe auferlegt und er hat diesen Vertrag angenommen. Solange er entschieden ist, diese Mission zu einem guten Resultat zu führen, stehe ich hinter ihm. In der Schweizer Meisterschaft werden die Trainer relativ schnell entlassen. Es steht jedoch ausser Frage, dass ein Club der auf Kontinuität setzt, erfolgreicher ist. Man sagt ja auch, man müsse einem Trainer 3 Jahre zugestehen um zu sehen, ob seine Arbeit greift. Wir sind also noch ganz am Anfang und Herr Magnin hat noch Zeit, uns zu überzeugen.

 

Man hört oft, dass Sie sich geweigert haben, den Club an wichtige Investoren zu verkaufen… Stimmt das so?

Ich habe es immer gesagt und wiederhole es: ich gebe meinen Platz gerne frei, aber nicht für irgendein Projekt. Ich willl, dass Xamax gesund bestehen und sich erfolgreich ganz oben halten kann. Und dafür braucht es wirklich einen starken Rücken. Glauben Sie mir, ernsthafte Investoren sind nicht einfach zu finden. Mal so schnell-schnell 1 Million einschiessen ist nicht allzu schwer, aber man muss danach bestehen. Ausserdem wurden die Bestimmungen nach dem Tschagajew-Fiasko äusserst restriktiv. Ein Investor muss ganz strenge Garantien hinterlegen, will er einen Fussballclub übernehmen. Aber das ist schon gut so, das lässt die unseriösen Investoren gleich mal ausscheiden.

 

Man spricht diesbezüglich intensiv von Jean-Marc Rohrer, ex-Präsident von FC Serrières und in Neuchâtel eine bekannte Persönlichkeit…

Da dies nach aussen gedrungen ist will ich das nun mal bestätigen. Ja, es stimmt, unter einigen anderen hat sich Jean-Marc Rohrer ins Spiel gebracht, Xamax zu helfen. Aktuell kann ich diesbezüglich allerdings keine Details ausplaudern. Wir sind dran, in Ruhe und mit der nötigen Vorsicht, diesen interessanten Vorschlag zu prüfen. Wenn etwas spruchreif ist, werden wir es selbstverständlich kommunizieren.

 

Die Mannschaft steht vor einer wichtigen Woche, was erhoffen Sie sich dabei?

Ich würde unglaublich gerne in Luzern gewinnen am nächsten Donnerstag und dann in aller Ruhe nach Lugano reisen. Die beiden Spiele kommen schnell nacheinander, daher werden wir die Physis der Spieler äusserst sorgfältig anschauen. Ich verlange aber auch von ihnen, dass sie Verantwortung übernehmen, weniger individuelle Fehler begehen. Die Mannschaft muss endlich konstanter werden. Ich will ja nicht träumen, aber wenn wir diese beiden Mannschaften schlagen könnten würden wir schon ganz recht in der Tabelle hochklettern, und das wäre natürlich schon gut für unser Selbstwertgefühl. Es geht bereits in die 2. Phase der Meisterschaft, da haben wir 5 Heimspiele, das ist schön. Ich freue mich auf diese Spiele bis zum Jahresende.

 

Was möchten Sie den Fans sagen?

Dass sie uns unterstützen – mit Begeisterung und Optimismus. So wie sie uns all die Jahre unterstützt haben. Ich spüre selbstverständlich diese «Läck-mer-am-Arsch-Stimmung» auf den Rängen, dieses «s’nützt eh nüt meh»-Gebrabel, diese negativen Schwingungen. Das können wir nicht gebrauchen! Wir müssen auf unser Publikum zählen können. Zugegeben es ist nicht einfach, ja, stimmt, aber keiner sollte den Kopf hängen lassen. Viele denken wohl «Ach de Binggeli, der gibt doch bald mal auf…» - falsch! Ich bin noch genau so enthusiastisch wie bis anhin, aber ich rede weniger mit den Medien. Das stimmt. Das übernehmen Staff und Spieler sehr gut. Ich habe hinter den Kulissen genug zu tun, glauben Sie mir! Auch wenn ich weiss, dass nicht alle hinter unserem Projekt stehen: Vertrauen Sie uns! Lassen Sie uns die Zeit die es braucht, ein so gewagtes Zukunftsbild zu kreieren und zu konsolidieren. Mit unseren Visionen und Ideen haben Xamax zurück in die Super League gebracht – und da wollen wir auch bleiben.

Liebe Xamaxiens, Sie müssen nicht immer mit mir einverstanden sein, aber unterstützen Sie bitte die jungen Spieler und geben Sie uns die Möglichkeit, Ihnen zu beweisen, dass wir auf der richtigen Fährte sind. Vielen lieben Dank und…. Allez Xamax!

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